Leider kein Kroatien dieses Jahr

Die diesjährige Jugendsommerfreizeit nach Veruda Island/Kroatien wurde schweren Herzens vom Leiter Sven Müller, dem involvierten Freizeitteamerinnen und -teamern, mir als Jugendreferenten und dem Kinder- und Jugendausschuss am 26. Mai abgesagt. Viele Eltern zeigten Verständnis und waren aufgrund vieler Ungewissheiten und Ängsten eher erleichtert. Auch die generationsübergreifende Segelfreizeit auf dem Ijsselmeer und der Waddenzee in den Herbstferien wird nach heutigem Stand nicht stattfinden können.

 

Welche alternativen Angebote (unter welchen Hygiene- Standards) für Jugendliche in den Sommerferien angeboten werden können, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Aktuelles finden Sie hierzu auf unserer Homepage im Bereich „Jugend“.

 

Plötzlich Science- Fiction

 

Lockdown - zu Hause bleiben. Plötzlich spielt sich das Leben nur noch zu Hause in den eigenen Wänden ab.

 

Gut, wer ein eigenes Zimmer hat und mit dem Geschwistern einigermaßen gut klar kommt. Eine noch nie eingetretene Situation ist Realität geworden, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ein unbekanntes Virus ist aufgetaucht und niemand weiß, wie gefährlich es ist. Wir kennen das aus Science fiction- Filmen.

 

Jetzt spielen wir in diesem Film mit.

 

Fragen, so viele Fragen auf die andere, (unsere) Eltern, Freundinnen, Freunden und „die Experten“ keine Antworten kennen. Verstörende Bilder in Tagesschau und in YouTube- Filmchen. Verunsicherung überall. Die Welt, die Großeltern und Freundschaften, andere Herzensmenschen, alle auf Abstand (verbunden). 

Gut, dass es die modernen Möglichkeiten gibt. Es wurde und wird immer noch jede Menge geskyped, gechattet, auf Instagram geposted, über Facetime oder Whatsapp-call miteinander gesprochen und sich ein Bild vom anderen gemacht.

 

Wie es dem Freund, der Freundin geht. Manchmal steigt eine Geburtstagsparty über Houseparty, einem anderen Gruppencall. Auf Abstand digital miteinander verbunden. Die digitalen Medien machen vieles möglich in der Zeit des „Zuhause bleibens“.

 

Digitales- „Wer an der Küste bleibt, kann keine neuen Ozeane entdecken“. Ferdinand Magelan

 

Plötzlich war es nötig, über den gewohnten Tellerrand zu schauen, zu recherchieren und sich durchzufragen, auf der Suche nach passenden Möglichkeiten in Kontakt zu bleiben. Weil das gewohnte „analoge Treffen und spielen nicht mehr geht“, den alten Bezugsrahmen zu verlassen und sich Möglichkeiten (von treffen und Wissensvermittlung) einmal völlig neu zu nähern.

 

Und das in allen gesellschaftlichen Bereichen und durch alle Generationen. Sowohl als Elternteil mit einer E-Learning-Plattform der Schule, auf der die Aufgaben für die „zu Hause Beschulung“ stehen, als auch für Kinder und Jugendliche, die diese Hausaufgaben machen sollen.

 

Alle Lehrenden machen es anders, mal mochte einer ein abfotografiertes Foto der Matheseite per Mail, der andere per PDF-Dokument und der Sportlehrer ein selbstaufgenommenes Video per Whatsapp. Die Frage nach Datenschutz wird hinten angestellt. Was zählt ist, ob „man das so machen kann“. Vieles was jahrelang diskutiert wurde, wird durchgewunken.

 

„Willkommen, sie wurden soeben in das Weltall der Digitalisierung geschossen!“

 

Mit anderen hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Kölner Gemeinden und den Mitarbeitenden des Jugendpfarramtes machten wir uns auf die Suche nach neuen Ozeanen. Es war und ist immer noch eine Zeit des Ausprobierens. Ich recherchierte im Internet, studierte bis in die Nacht „Erklärfilme“ (Tutorials) auf der Videoplattform Youtube.

 

So entdeckte ich Tools für kooperatives Zusammenarbeiten wie Padlet, das ist eine interaktive Anordnung von Kacheln, die mensch kreativ und thematisch gestalten kann. Hat mensch den Link, kann sie oder er sich aktiv an der vorbereiteten Struktur beteiligen, Kommentare schreiben, einen Film verknüpfen, eine Tabelle oder Fotos hinzufügen uvm.

 

So stellte ich den Jugendlichen ein Padlet mit dem Titel „Kick Corona“ in den Osterferien zur Verfügung. Für die Planung des 2. Kinder- und Jugendfestes „Lukas 2.0“ (Frühjahr 2021) kann dies ein guter Baustein sein.

 

Videokonferenzen über Skype und Zoom mit Jugendlichen, Kolleginnen und Kollegen, oder dem Kinder- und Jugendausschuss gehören nun zu meinem Arbeitsalltag des Homeoffices. Eine andere Möglichkeit sich zu treffen, ist die Plattform Discord, die vor allem von Spielenden (Gamern) benutzt wird, um parallel mit ihren Clanmitgliedern oder interessierten Followern Text- und Sprachnachrichten auszutauschen. Ganze Jugendzentren haben im Lockdown ihren Betrieb für Jugendliche über diese Plattform laufen lassen. Nun verfügt das Evangelische Jugendbüro ebenso über einen solchen virtuellen Treffpunkt und testet diesen in der Praxis. Sogar Konfirmandenunterricht kann über eine solche Plattform gemacht werden. Um Feedback von Teamerinnen und Teamern, Kirchenmitgliedern oder Konfis einzuholen und so die eigene Arbeit zu überprüfen und die Anregungen der Beteiligten zu integrieren, eignet sich das Umfrage-Tool der deutschen Firma Lamapoll. Dessen Server stehen in Deutschland, womit ein europäischer Datenschutz gewährleistet ist.

 

Die neuen Ozeane laden ein zum gemeinsamen Entdecken. Welches Schiff seetauglich ist und in welches gerne (von Jugendlichen) eingestiegen wird, wird die Zeit zeigen. Ich hoffe, dass ein positiver Förderungsbescheid des LVR unserer Jugend- und Konfirmandenarbeit in der zweiten Jahreshälfte einen Schub bringt, denn wie bei vielen privaten Haushalten darf erst einmal die technische Ausstattung erweitert werden, bevor es richtig „digital“ werden kann.

 

Drücken Sie uns den Daumen, haben Sie einen guten Sommer. Es bleibt spannend!

 

Ihr Jakob Hausmann, Jugendreferent