Hauptsache, zur Ehre Gottes

Manfred Schulz leitete unseren Posaunenchor über 23 Jahre

Zur Verabschiedung von Manfred Schulz als Leiter unseres Posaunenchors im Gottesdienst "5 vor 12" am 30. Dezember um 11.55 Uhr in der Markuskirche:

 

Eine lange Karriere als Musiker, Instrumentenbauer und Chorleiter

 

Ostermorgen auf dem Friedhof in Westhoven, 7 Uhr nach gerade umgestellter Sommerzeit, leichter Schneefall setzt ein, Minusgrade trotz sinnenbetörenden Sonnenaufgangs: "Christ ist erstanden!" schallt es hell und klar durch den beginnenden Morgen, der Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Porz eröffnet die Osterandacht von Pfarrerin Kibilka.

 

Gemeindefest irgendwo in der Gemeinde Porz. Entgegen der Wettervorhersage regnet es in Strömen, die Besucherinnen und Besucher stehen unter den Pavillons, es soll zum Essen Musik gemacht werden. Der Posaunenchor stellt sich auf und spielt unbeeindruckt von den Wassermassen Unterhaltsames.

 

Es war natürlich nicht immer schlechtes Wetter, wenn Manfred Schulz mit seinem Posaunenchor auftrat. Oft spielte er auch in feierlichen Gottesdiensten zu Weihnachten oder anderen stimmungsvollen Gottesdiensten, er verlieh diversen Einführungen von Pfarrerinnen und Pfarrern oder Jubiläen einen festlichen Glanz. Manchmal lud Manfred Schulz auch zu Konzerten, die die gesamte Bandbreite des Könnens der Bläserinnen und Bläser demonstrierte.

 

Manfred Schulz wird zum Ende des Jahres 2018 den Taktstock aus der Hand legen. Er kann dann auf eine lange Laufbahn als Berufsmusiker, Instrumentenbauer und Posaunenchorleiter zurückblicken.

Manfred Schulz wurde 1942 in Gronau geboren und spielte mit 15 Jahren im "Posaunenchor von 1886" in Gronau mit, lernte dann professionell das Spielen auf der Posaune und wurde später Solo-Posaunist im "Westfälischen Symphonie-Orchester" Münster. Seine Meisterschaft auf dem Instrument bewies er über zehn Jahre lang als Posaunist in niederländischen Blasorchestern, die in einer nationalen Liga auf Höchststufe spielen; später lernte er dann noch Trompete dazu.

1977 kam Manfred Schulz nach Porz und spielte im Posaunenchor Wahnheide Trompete. 1979 war er Mitglied des Auswahlchores des "Posaunenwerkes der Evangelischen Kirche im Rheinland" als Trompeter.

 

Später wurde er Dirigent der "Porzer Stadtmusikanten", erwarb den Befähigungsnachweis zur Leitung von Posaunenchören der Rheinischen Landeskirche und legte 1986 nach zweijährigem Studium seine Prüfung als Dirigent für Blasorchester und Bläserensembles ab. Seit 1995 leitete er den Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Porz.

 

Der Posaunenchor der Kirchengemeinde Porz bestand bereits seit 1948. Er wurde von Pfarrer Dietrich gegründet, der ihn nach der Aufspaltung der Gemeinde in die "Evangelische Kirchengemeinde Porz" und die "Evangelische Kirchengemeinde Wahn-Wahnheide" sozusagen "mitnahm". Pfarrer Hans-Werner Haßler gründete in der Kirchengemeinde Porz 1978 den

Posaunenchor neu, bestehend zunächst aus ihm selbst und seinen drei Söhnen. Später leitete Tilmann Haßler eine Zeitlang den Chor, 1995 konnte dann Manfred Schulz für die Leitung gewonnen werden.

 

Der Posaunenchor der Gemeinde hatte immer eine wechselvolle Geschichte in der Stärke seiner Besetzung. Manchmal spielten nur wenige Bläserinnen und Bläser mit, manchmal gab es sogar eine "Brass Band"-Besetzung. Immer dabei war Gudrun Schulz, die Ehefrau von Manfred.

 

Der Posaunenchor kann aber mit einer einmaligen Besonderheit aufwarten. Als 2002 Richtfest der Pauluskirche in Zündorf gefeiert wurde, regte Pfarrer Dr. Theobold das Ansparen für den Kauf einer Glocke an.

Ein Mitglied des Posaunenchores, der aus diesem Anlass spielte, wollte so lange aber nicht warten und lobte eine üppige Spende für die Glocke aus, wenn er bestimmen könne, welche Inschrift die Glocke bekommt. Dies wurde ihm zugesagt. Somit hat die Kirchengemeinde Porz (wahrscheinlich) als einzige Kirchengemeinde eine "Johannes-Kuhlo-Gedächtnis-Glocke", die mit ihrem Läuten an den Begründer der Evangelischen Posaunenchorarbeit in Deutschland erinnert.

 

Manfred Schulz war nicht nur ein musikalisch begabter Mensch, sondern durch seine Lehre als Instrumentenbauer auch technisch versiert. Auf Kirchentagen betrieb er die "Instrumentenambulanz", in der Bläserinnen und Bläser kleinere Schäden an ihrem Instrument beheben lassen konnten. Dafür hatte Manfred Schulz immer eine kleine Instrumentenwerkstatt aufgebaut, in der er den ganzen Tag saß und auf "Kunden" wartete. Er hat dafür viele dankbare Blicke geerntet, wenn es ihm gelang, eine Beule auszubügeln, eine Schraube zu ersetzen oder einen Posaunenzug wieder zu richten, so dass das Instrument wieder spielfähig war.

 

Posaunenchöre sind immer enge Gemeinschaften auf Zeit, man muss sich aufeinander verlassen können, man muss auf die anderen hören, man muss Zutrauen in seine Fähigkeiten haben, alles zusammen fördert die positiven Charaktereigenschaften. Der Individualist muss sich in die Gemeinschaft einfügen, der Egoist muss manchmal die "zweite Geige" spielen - (jeder Bläser möge mir verzeihen, wenn ich ein Holzinstrument im Zusammenhang mit dem Posaunenchor erwähne, es sind rein redaktionelle Gründe!!) -, der Schüchterne muss gelegentlich als Solist hervortreten, der Anfänger kann mit den Erfahrenen entspannt aufspielen, aber alle müssen sich dem Diktat des Dirigenten unterordnen. Er bestimmt, wann es losgeht und wann es aufhört. Der Chorleiter hat die schwierige Aufgabe, alle unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten unter "einen Hut zu bringen". Manfred Schulz ist das über viele Jahrzehnte gelungen, er hat viele junge (und auch ältere) Menschen zu Bläserinnen und Bläsern ausgebildet. Wir haben gemeinsam viele schöne Auftritte in der Gemeinde, auf Posaunentagen landes- und bundesweit und auf Kirchentagen absolviert, die jedem von uns in Erinnerung bleiben werden.

 

Die Gemeinde ist Manfred Schulz zu großem Dank verpflichtet, hat er doch über viele Jahre das Gemeindeleben an vielen Stellen bereichert. Musik ist immer ein wichtiger Faktor in der Verkündigung. Bei Gemeindefesten, bei Altenfeiern, bei Konfirmationen und Gottesdiensten, bei Jubiläen, manchmal auch Beerdigungen oder Kranzniederlegungen ist der Posaunenchor immer gerne gefragt, weil er bei jedem Wetter spielen kann, keinen Strom braucht und immer flexibel ist.

 

"Christ ist erstanden!" klingt vierstimmig in einem satten Forte morgens bei klirrender Kälte dann auch besonders herzerwärmend.

(Henning Schützendorf)